Ausflug in die Welt der Letters

Marianna Vogt

von Marianna Vogt

Story
Typorama – Museum für Satz und Druck – Bischofszell 2024

«Lilly, heute besuchen wir das typografische Museum.»
«Was ist das, Tante Mary?»
«Wir werden in die Welt der Bleisätze, Setz- und Druckmaschinen eintauchen und sehen, wie man im 20. Jahrhundert Zeitungen, Bücher und sonstiges gedruckt hat.»

Im Mittelalter schrieben die Mönche in Skriptorien die Bibel. Dies änderte sich, als Johannes Gutenberg um ca. 1450 die beweglichen Lettern erfand. 1455 wurde die erste Bibel, 
«Die Gutenberg Bibel» gedruckt. Sie gilt als das erste bedeutende, gedruckte Buch.

Lilly und Mary wurden von drei freiwilligen, ehemaligen Mitarbeitern im Typorama herzlich begrüßt und willkommen geheißen.
Als Erstes wurde ihnen das ‘Arbeiterpult’ gezeigt. Eine große Holzablage. Darauf ein Schriftkasten mit 125 Fächern für den manuellen Bleisatz. (Grosse und kleine Buchstaben, Sonderzeichen und Zahlen) darunter viele Schubladen, sortiert nach Schrift und Größe.
Der Guide erklärte ihnen haargenau, wie die Schriftsetzer damals den Text aufsetzten bis schließlich die Seite zum Druck fertiggestellt war. Der Führer fragte Mary: «Was glauben Sie, wie schwer ist diese Seite?», dabei zeigte er auf die mit Blei Lettern voll belegte Platte. 
Mary wollte diese hochheben, aber schaffte es nicht.
«30 Kg», entgegnete der Guide. Mitunter ein Grund, warum es früher praktisch keine Frauen in diesem Beruf gab.»
Nun wurden den beiden die Welt der Setzmaschinen nähergebracht. Die äußerst kompetente und sympathische Frau erklärte detailgenau die einzelnen Maschinen, die übrigens alle immer noch einsatzfähig sind. Die älteste Maschine wurde 1919 erbaut, das jüngste Modell, eine Russische, stammt von 1989. Einige Maschinen wurden von der netten Dame sogar vorgeführt. Mary und Lilly konnten ihren eigenen Namen, natürlich unter fachkundiger Anleitung, selbst drucken. 
Im dritten und letzten Teil erklärte der Guide, ebenfalls ein ehemaliger Mitarbeiter und mit viel Herzblut die verschiedenen Druckmaschinen. Angefangen bei der Kniehebel Handpresse bis hin zum Zweitouren Automat.
Die beiden kamen zum Staunen nicht heraus. Lilly meinte schelmisch: «Zum Glück haben wir zu Hause einen kleinen Drucker und nicht so eine große Maschine, sonst müssten wir eine größere Wohnung suchen!»

«So, jetzt sind wir mit der Führung durch, liebe Lilly. Du hast jetzt einen kleinen Einblick erhalten, wie früher gearbeitet wurde.»
«Tante Mary, das war eine ganz tolle Idee mich hierher einzuladen. Ich nehme so viele Eindrücke mit nach Hause», dabei streckte sie lachend beide Arme aus. «Ich habe gelesen, dass man hier auch selbst ein Buch drucken kann. Das wäre doch eine prima Weihnachtsidee um dein Manuskript von Giacomo zu einem Buch zu binden, oder nicht, Tante Mary,» scherzte Lilly und zwinkerte ihr zu.

Mitten aus dem Leben: Nicht nullachtfünfzehn



© Marianna Vogt 2024-10-06

Genres
Romane & Erzählungen
Stimmung
Herausfordernd, Informativ, Reflektierend
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